Brennpunkt Borneo

Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt und politisch auf drei Länder, Indonesien, Malaysia und Brunei, aufgeteilt, was es ziemlich schwierig macht, einen öko-politischen Konsens zur Urwaldproblematik zu finden. Moment! Urwaldproblematik? Was'n das?

Borneo könnte als brennende Insel bezeichnet werden. Die Staatsgebiete Indonesiens und Malaysias, die beide als sogenannte Tiger-Staaten bezeichnet werden, machen einen großen Entwicklungsschub durch. Die Landwirtschaft geht zurück und weicht dem wachsenden Industriesektor, der auf Borneo zu großen Teilen in der Palmölproduktion liegt. Ein Ergebnis davon sind traurigerweise die Waldbrände auf Borneo. Stichwort: Palmöl. Palmöl wird aus der Ölpalme gewonnen. Das gewonnene Öl kann vielseitig eingesetzt werden. Man findet es z.B. als Grundstoff für Biosprit, Kosmetikartikel, aber insbesondere für die Herstellung von Lebensmitteln (Dazu mal diesen Link zur GreenpeaceKampagne). Wer jetzt der Meinung ist, dass er Palmölfrei konsumiert, sollte mal recherchieren gehen. Den Palmöl findet sich in fast jedem Lebensmittel. Ob es nun der Schokoriegel oder die Fertigsuppe ist, Palmöl kann immer enthalten sein und wird nicht als solches genannt. I.d.R. wird es hinter dem Aufdruck "Pflanzenfett" versteckt. Jährlich werden so etwa 40 Mio. t Palmöl produziert und verbraucht. Aber warum genau war Palmöl noch einmal ein Problem?
Palmölplantagen werden auf sehr nährstoffreichen Böden (sog. Torfböden) angebaut. Blöd ist halt nur, dass die Torfböden nicht einfach so in der Landschaft herumstehen und keinen Zweck erfüllen, sondern dass sie die Grundlage der Urwälder darstellen. Auf ihnen stehen riesige Waldflächen, die vielen endemischen (d.h. nur dort vorkommenden) Tier- und Pfalnzenarten ein Heim bieten. Dazu gehört beispielsweise der vom Aussterben bedrohte Orang-Utan!
Um also an die Torfböden heranzukommen werden die Urwälder abgebrannt. Die Asche düngt dabei den Boden, der Rauch düngt das Ozonloch und den Klimawandel.
Und das ist noch nicht einmal alles! Die Torfböden speichern sehr große (Im Ernst unglaublich, übel, mega, derbe, massig viele) Mengen der Treibhausgase CO2 (sollte bekannt sein) und CH4 (Methan, dessen schädliche Wirkung um ein vielfaches stärker als die des CO2 ist). Diese Gase werden in unglaublich großen Mengen an die Atmosphäre abgegeben, wenn der Wald, der einst über ihnen stand, erst einmal verschwunden und verbrannt ist.
Das Palmöl ist also auf dem Markt gefragt und stützt die Wirtschaft enorm, stört aber das Gleichgewicht der Natur noch viel enormerer (oder so...). Die wirtschaftlichen Vorteile unterliegen dabei ganz klar den ökologischen Nachteilen; ist also ein Rückgang der Palmölproduktion in Sicht?

Sieht leider nicht so aus... Denn wirtschaftliche Interessen stehen anscheinend über humanitären und ökologischen Interessen. Dass minderjährige Kinder bei 40°C im Schatten stundenlang arbeiten interessiert übrigens auch kaum jemanden vor Ort.

Greenpeace hat vorgeschlagen, dass die brach liegenden, abgebrannten, leeren Flächen zur Palmölproduktion genutzt werden könnten. Keine schlechte Idee eigentlich, denn diese Flächen erfüllen bisher kaum einen Zweck. Es ist abzuwarten, wie sich die Situation verändert. Hoffen wir das beste und an die theologisch angehauchten unter euch: Betet doch mal für die armen Orang-Utans!